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Achtung Spoiler: Darkside Park Geheimnis enthüllt!

Wichtiger Hinweis: Falls du “Darkside Park” oder “Porterville” nocht nicht gelesen oder gehört haben solltest, lies jetzt auf gar keinen Fall weiter! Stopp! Spoiler! Nicht weiterlesen, denn hier kommt unser großer 25-Fragen-Antwort-Katalog zu unserer Serie “Darkside Park”, den wir im Mai 2011 den LeserInnen des Hörspiel-Freunde-Blogs gegeben haben. Ja, so lange ist das schon her. Mittlerweile haben wir die Nachfolge-Serie “Porterville” geschrieben, die bei Universal/Folgenreich auch als Hörbuch erscheint. Diese Antworten beziehen sich dabei zwar auf die Hörbuch-Fassung aus dem Jahr 2011, doch da es dabei ja auch um inhaltliche Fragen geht und wir viele Fragen natürlich auch später in der Nachfolge-Serie “Porterville” beantwortet haben, wird es wahrscheinlich trotzdem interessant für dich werden.

In diesem Sinne wünschen wir dir viel Spaß beim Lesen,
Ivar Leon Menger und das gesamte “Darkside Park”-Autorenteam

 

Frage 1) Welchen Sinn hatte das Projekt „Porterville“ ursprünglich? Welchen Sinn hat es aktuell?

Ivar: Wir haben die Stadt Porterville bei unserer Entwicklung immer das „Australien-Konzept“ genannt. Die Idee dahinter: Die Regierungen der Zukunft möchten sich nicht mehr die Finger schmutzig machen, es regieren die „Gutmenschen“. So gibt es in Zukunft z.B. keine gesetzlichen Todesstrafen mehr. Und auch die Verbrechensrate liegt bei Null. Alle sind so schön human. Trotzdem schlummert in manchen Menschen eine dunkle Seite. Doch bevor sie ausbrechen kann, werden alle Babys einem Test unterzogen – dem Watson-Test. Fällt dieser Test negativ aus – hat das Baby einen hohen Watson-Index – muss der vermeintliche „Bald-Verbrecher“ von der Gesellschaft getrennt werden. Da man ihn gesetzlich aber nicht töten darf, muss er eben verschwinden. Auf eine einsame Insel. Wie früher die Verbannten in Australien. Doch bei uns liegt Porterville nicht am Ende der Welt, sondern am Ende der Zeit.

Hendrik: Das „Australien“-Konzept stellt sozusagen das Endstadium einer langen Entwicklung dar, deren Ausgangspunkt rein wissenschaftlich war. Hier ein kurzer Auszug aus dem Gespräch zwischen Bürgermeister Hudson und Martin Prey („Willkommen in Porterville!“): Hudson: „Für den Anfang mag die Information genügen, dass in verhältnismäßig naher Zukunft ein epochaler Durchbruch auf dem Gebiet der Experimentellen Zeitforschung stattfinden wird. In Kooperation mit dem Pentagon gelingt es Wissenschaftlern des M.I.T. erstmals, unter stabilisierender Nutzung ’exotischer Materie’ Nano-Partikel über die Einstein-Rosen-Brücke in die Vergangenheit zu transferieren. Acht Jahre später unternimmt der schottische Physiker Aidan Mac Kingsley den ersten Selbstversuch und durchquert den Crenlynn-Tunnel.“ Martin: „… und kehrte zurück?“ Hudson: „Ja, das tat er. Zusammen mit Bodenproben aus vorkolonialer Zeit. Es war der erste empirisch dokumentierte ’Chrono Jump’ der Geschichte. Viele weitere folgten.“

Was mit dieser wissenschaftlichen Pionierleistung begann, entwickelte sich in der Folgezeit zu einem gigantischen Kultur-Experiment namens Porterville. Für diejenigen, die Zeit und Motivation für eine etwas längere Lektüre haben, füge ich hier mal die Konzept-Zusammenfassung „Porterville und der Darkside Park“ an, die ich zu großen Teilen bereits im Herbst 2008 ausgearbeitet hatte. Sie bot dem Team stets die Zugriffsmöglichkeit auf die ‚Basis’ und den verbindenden roten Faden unserer Geschichten. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und gewissen Mutmaßungen widersprechen, denenzufolge für „Darkside Park“ kein richtiges Konzept vorgelegen habe, so dass am Ende eilig irgendetwas ‚zusammengeschustert’ werden musste. Fakt ist: Die zentralen Elemente dieser Serie sowie die Zeitreise-Auflösung hatte Ivar bereits weit vor dem Start der Drehbucharbeit entwickelt und damit das Fundament gelegt, auf dem wir Autoren anschließend die düstere Stadt Porterville erbauten und bevölkerten. :-)

PORTERVILLE und der DARKSIDE PARK

In ferner Zukunft verfügt eine hoch entwickelte Gesellschaft über die technischen Möglichkeiten zur Zeitreise. Immer wieder unternehmen die Reisenden Expeditionen in die Vergangenheit; Zielgebiet ist ein bewaldetes Areal an der Ostküste Amerikas, im späteren Bundesstaat Maryland. Aufgrund physikalisch-geographischer Besonderheiten bietet dieser Ort ideale Voraussetzungen für den Sprung durch die Zeitmauer. Die Motivation der Reisenden ist wissenschaftliche Neugier, teilweise aber auch pure Abenteuerlust. Ein fester Bestandteil dieser Exkursionen ist die regelmäßige Aufnahme von Proben, die eingehenden Analysen unterzogen werden. Neben Pflanzen und Mineralien zählen auch Tiere und Menschen zum Forschungsspektrum der Reisenden. In diesem frühen Stadium der ersten „Chrono Jumps“ handelt es sich noch ausschließlich um punktuelle, eng begrenzte Expeditionen, die ohne größere Sicherheitsvorkehrungen mittels oberirdischer Materialisation vollzogen werden. Nachdem es aufgrund der allmählichen Besiedelung des Gebiets durch indianische Nomadenstämme zu mehreren riskanten Zwischenfällen gekommen ist, entscheidet man sich für grundlegende Veränderungen der Strategie: Zur Vermeidung weiterer unbeabsichtigter (und somit sicherheitsgefährdender) Fremdkontakte wird ein Spezialistenteam mit der Errichtung einer unterirdischen Transmitter-Anlage beauftragt, in der fortan die Materialisation vollzogen wird. An diese Anlage werden in der Folgezeit weitere Komplexe, unter anderem Laboratorien und Wohnquartiere, angeschlossen. Unter dem Kommando des extravaganten Strategen Angus G. Hudson (Spross einer einflussreichen Politikerdynastie) entsteht sukzessive eine multifunktionale Retro-Basis, die von nun an einen fest fixierten Anker im Zeittunnel zwischen Zukunft und Vergangenheit bildet. Dies hat den Vorteil, dass nun direkt vor Ort Untersuchungen an lebenden Objekten vorgenommen werden können. Zu diesem Zweck bringen Jagd-Teams neben Tieren immer wieder auch einzelne Menschen in ihre Gewalt und schaffen sie in die Laboratorien, wo sie verschiedenen Experimenten ausgesetzt werden. Um das Risiko einer Entdeckung auszuschließen, bleiben die Gefangenen – sofern sie die Versuche überlebt haben – auch später im Gewahrsam der Reisenden. Mit der Zeit entsteht so ein regelrechter Menschen-Zoo tief unterhalb der Wälder von Snake Woods. Aufgrund des mysteriösen Verschwindens zahlreicher Stammesbrüder in diesem Waldgebiet entwickelt sich bei den Seyota-Nashekee-Indianern die Legende der „Erdväter“ – mächtige Dämonen, die immer wieder aus der Tiefe hervordringen und Opfer zu ihrer Besänftigung fordern. Nachdem die Seyota ab 1850 von den immer verstärkter auftretenden weißen Siedlern verdrängt werden und in der Nähe die ersten Städte Denton und Mayfield entstehen, reduzieren die Reisenden aus Sicherheitsgründen ihre Entführungsaktionen auf ein Minimum. Dennoch entstehen unter den Bürgern der umliegenden Siedlungen bald Gerüchte und düstere Erzählungen über den „verfluchten Wald“, der inzwischen den Namen Shaden Forest trägt.

Aufgrund der stetig schwieriger werdenden Verhältnisse stellt sich für die Reisenden bald darauf die Grundsatzfrage nach Aufrechterhaltung oder Abbruch der Retro-Basis. Nach heftigen, teils juristischen, teils ethischen Debatten, beschließt das „Council of Time Affairs“ schließlich, dass die überlegene Zivilisation der Reisenden das uneingeschränkte Recht besitze, nicht nur als Besucher, sondern als „souveräne Teilhaber und Gestalter“ an der Vergangenheit mitzuwirken. Basierend auf dieser Entscheidung kommt es im Jahr 1877 zum (Mit-)Aufbau der Stadt Porterville, an deren zentralen Schaltstellen (Bürgermeisteramt, Polizeibehörde, Gericht) gezielt Reisende positioniert werden. Uneingeschränkter Herrscher der Stadt ist Angus Hudson, der bereits die Retro-Basis leitete und seine Amtsgeschäfte, gestützt auf ein wirkungsstarkes Netzwerk aus Gefolgsleuten, geschickt im Schatten führt. Im Sprachgebrauch der Reisenden lautet sein Status: „Lordgouverneur des Temporal-Protektorats Porterville“. Da es in den autokratischen Regierungsebenen der Zukunft üblich ist, zu Zwecken des Schutzes und der Aufgaben-Delegierung geklonte Doppelgänger einzusetzen, hat auch Hudson bereits als Basis-Kommandant von seinem Recht auf Selbst-Reduplikation Gebrauch gemacht. Aufgrund eines zu spät entdeckten, äußerst seltenen Defekts in Hudsons Stoffwechselsystem scheitert dieses Vorhaben jedoch auf katastrophale Weise, und die Gen-Reihe muss bereits nach der ersten Reproduktion gestoppt werden. Zwar bleibt die geistige Konstitution des Klons (der den Namen Alpha erhält) weitgehend unbeeinträchtigt, doch die körperlichen Auswirkungen sind verheerend: Albinismus, phosphoreszierende Mutation der Iris, monströse Deformation der Extremitäten und Zähne Der begnadete Taktiker Hudson weiß diesen Rückschlag jedoch geschickt zu nutzen und münzt den tragischen Vorfall in eine „schicksalhafte Fügung“ um. Die Andersartigkeit seines „Bruders“ (allein schon dieser Titel ist vollkommen untypisch für die Bezeichnung genetischer Duplikate) sei ein „Zeichen der Vorsehung“ und somit als klare Macht-Legitimation zu verstehen. Kraft seiner nahezu allumfassenden Amtsgewalt als Kommandant der Retro-Basis und später als Bürgermeister setzt er Alpha als seine rechte Hand ein und überträgt ihm die Aufgabe des „Wächters über die innere Sicherheit“. Da Alpha aufgrund seiner kalkweißen Hautfarbe und der grellgelben Augen ein zu starkes Aufmerksamkeits-Risiko darstellen würde, agiert er ausschließlich im Verborgenen. Aufgrund seiner Pigmentstörung muss er ohnehin zu starkes Tageslicht meiden. Unter Berücksichtigung seiner Sonderposition werden daher beim Aufbau der Stadt Porterville in nahezu sämtlichen Gebäuden geheime Gänge, zweite Wände, verborgene Türen etc. eingebaut, die es Alpha mittels eines unterirdischen Tunnelsystems ermöglichen, auf seinen täglichen Streifzügen unbemerkt in ganz Porterville umherzuwandeln und die Menschen bei ihrem Tagwerk zu beobachten. Die Zugänge befinden sich in den riesigen Kühlschränken („Frozen King A Plus“), Abstellkammern, Dachböden, Kellern und Standuhren. Wie ein Phantom kann er zu jeder Tages- und Nachtzeit auftauchen, um über die Einhaltung der strengen Gesetze zu wachen. (Unter den Eingeweihten der Stadtbevölkerung trägt er daher auch den Beinamen „Der weiße Schatten“.) Als stets präsente Mahnung zu Gehorsam und Pflichtbewusstsein hängt, vor den Augen der Allgemeinheit verborgen, in nahezu jedem Amtszimmer oder Vorstandsbüro von Porterville ein Portrait des „bleichen Mannes“. Alpha ist das uneingeschränkte Exekutiv-Organ des Bürgermeisters und seinem Herrn bedingungslos ergeben. Jeden Auftrag, und sei er noch so abgründig, führt er mit Präzision und Eiseskälte aus. Seine geradezu sadistische Freude an der Ausübung von Schrecken und Gewalt ist bei den Eingeweihten Portervilles zutiefst gefürchtet. Wird irgendwo in der Stadt ein Verstoß oder sonstiges subversives Verhalten (sei es bei eingeweihten oder uneingeweihten Bürgern) festgestellt, so entscheidet Angus Hudson autonom über die notwendigen Sanktionen. Sofern deutliche Zurechtweisungen und Einschüchterungen keinen Erfolg haben, erhält Alpha den Auftrag, die betreffende Person zu ‚extrahieren’: Die Unglücklichen werden von ihm oder dem Sicherheitsdienst der ‚Obdachlosen’ entführt und in die Unterwelt der Reisenden verschleppt. Dort werden die Gefangenen mittels spezieller „Brainwash“-Verfahren so lange bearbeitet, bis entweder: – ihr psychischer Widerstand gebrochen ist und sie ‚umprogrammiert’ werden können (in solchen Fällen können die Betreffenden beispielsweise als verdeckte Spitzel zurück in die Stadt geschleust werden) oder – sie ihren Verstand verloren haben (und in geschlossene Kliniken eingewiesen werden) bzw. versterben. Sonderfälle sind die sogenannten „Watsons“ oder sonstige „Risikopersonen für den städtischen Frieden“, die automatisch im Fokus der Stadtführung stehen. Bei negativer Entwicklungsprognose lautet hier das Urteil zumeist„Beseitigung“. Als Teil eines perfiden Vorspiels lässt Alpha den Betreffenden zunächst warnende Tarotkarten mit versteckten Botschaften über das nahende Unheil zukommen, bevor er seine Opfer heimsucht. Statistisch gesehen wird die in den Folgejahren beständig wachsende Bevölkerung Portervilles zwar zum überwiegenden Großteil von uneingeweihten Bürgern gebildet, doch das Macht- und Kontroll-Monopol liegt fest in der Hand von Angus Hudson, seiner rechten Hand Alpha und dem geheimen Sicherheitsdienst, getarnt durch die Aufmachung heruntergekommener, mental abhängiger Obdachloser.

Der „St. Helena Park“, gelegen im dünner besiedelten Nordbezirk von Porterville, besitzt einen gesonderten Sicherheitsstatus, da sich unterhalb des Parkgeländes die geheime Retro-Basis der Reisenden befindet. Aufgrund mehrerer mysteriöser Vermisstenfälle (Opfer des „bleichen Mannes“), die spurlos im Park verschwinden, wird dieser Ort von den beunruhigten Bürgern Portervilles bald nur noch der „Darkside Park“ genannt. Als 1881 die Gerüchte über den ‚Schreckenspark’ immer mehr zunehmen und ein Journalist namens Dunford zu einer echten Gefahr zu werden beginnt, entschließt sich die Stadtführung zu handeln. Nach hitzigen Debatten entscheidet man sich schließlich für einen kompletten ‚Reboot‘ und startet mit Porterville ein zweites Mal im Jahr 1877. Doch Hudson & Co. müssen letztlich feststellen, dass lediglich in Teilbereichen Veränderungen möglich sind. Im Großen und Ganzen nehmen die Entwicklungen denselben Verlauf wie beim ersten Mal. Nun ist es ein Reporter namens Wilcomb, der dem Geheimnis des Parks gefährlich nahe kommt und unschädlich gemacht werden muss. Aufgrund der unbefriedigenden Erfahrungen mit dem letzten Reboot entschließt sich die Stadtführung diesmal gegen einen Neustart in der Vergangenheit. Stattdessen ergeht (erneut im Jahr 1881) der Beschluss, den „St. Helena Park“ zu schließen und nachfolgend gänzlich zu beseitigen, indem das Gelände planiert und völlig neu bebaut wird. Frühere Pläne und Karten werden in einer konzertierten Aktion aus den Archiven entfernt und durch überarbeitete Neufassungen ersetzt. Durch diese Maßnahmen soll der „Darkside Park“ aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt gelöscht werden. Völlig verstummen die Gerüchte jedoch nicht. Auf dem ehemaligen Parkgelände lässt Hudson das hermetisch abgesicherte „Abidias Asylum“ errichten, eine Nervenheilanstalt, die vollständig unter Kontrolle der Reisenden steht. Erbaut über dem Zugang zur unterirdischen Retro-Basis, ist die Irrenanstalt von nun an das unangefochtene Machtzentrum der Stadtherrscher. Hier werden (unter der Diagnose vermeintlicher Geisteskrankheiten) all jene Personen eingeliefert, die zu viel gesehen oder zu viele Fragen gestellt haben und somit dem Geheimnis der Reisenden zu nahe gekommen sind. Anstaltsleiter Leland Horace regiert mit tyrannischer Gewalt über dieses ‚Haus der Finsternis’, aus dem es kein Entkommen gibt. Wer hier landet, wird entweder für immer weggeschlossen oder erhält eine ‚Spezialbehandlung’ in der unterirdischen „Brainwash“-Anlage (die ‚Halle der tausend Stimmen‘). Darüber hinaus besitzt „der bleiche Mann“ aufgrund eines Geheimzugangs in der Standuhr des Direktorenzimmers die Möglichkeit, direkt im „Abidias Asylum“ in Erscheinung zu treten und die panischen Gefangenen persönlich zu verhören. Das nähere Umfeld der Klinik ist durch mehrere neu errichtete (und zumeist mit Eingeweihten besetzte) Wohnblocks in der Neal Street zusätzlich weiträumig gesichert. Als im Jahr 1932 von einer unabhängigen Bürgerinitiative die humanitären Zustände im „Abidias Asylum“ massiv in Frage gestellt werden, sieht sich Hudson letztlich genötigt, die Anstalt zu schließen. Zuvor leitet Direktor Horace jedoch einen angeblichen Kollektiv-Selbstmord der verbliebenen Insassen ein, damit sie nicht in andere Kliniken verlegt und dort möglicherweise befragt werden können. Auch nach der Schließung des “Abidias” behält das Gebäude jedoch seine Funktion als abgeschottete Zentrale, die vom Sicherheitsdienst der Obdachlosen aufmerksam bewacht wird. Offiziell unter Denkmalschutz gestellt, vermeintlich mangels nötiger Finanzmittel aber nie renoviert, ist das gesamte Klinik-Areal wegen angeblicher Baufälligkeit von einem hohen Sicherheitszaun umgeben; der Zutritt ist streng verboten. Leland Horace verschwindet zunächst für eine Weile aus Porterville, kehrt jedoch bald darauf mit geringfügig verändertem Aussehen als Sheriff Hank Parker in die Stadt zurück. Da die Reisenden ein weitaus höheres Alter erreichen als die Menschen der Vergangenheit, ist dieses Verfahren einer ‚Mehrfach-Biographie’ durchaus üblich. Auch Angus Hudson tritt im Laufe der Jahrzehnte in verschiedenen Rollen auf (zunächst als einflussreicher Bankier Thomas Field), ehe er sich offiziell zum Bürgermeister wählen lässt.

Nach außen hin stellt Porterville eine geradezu mustergültige Ostküstenstadt mit zahlreichen sozialen und kulturellen Angeboten dar. Intern entwickelt sie sich schon bald zu einem menschenverachtenden soziologischen Versuchslabor, in dem potenzielle künftige Kriminelle („Watsons“) von frühester Kindheit an beobachtet, analysiert und später mental zerstört oder beseitigt werden. In privilegierten Kreisen der Zukunft dagegen avanciert Porterville rasch zu einem überaus beliebten, wenn auch höchst exklusiven Urlaubsziel. Wer sich den kostspieligen „Chrono Jump“ leisten kann, erhält in Porterville die verlockende Gelegenheit eines (nahezu) unverfälschten Einblicks in das Leben der Vergangenheit. Slogan: Erleben Sie die Welt von gestern mit dem Service von morgen!

PORTERVILLE – THE TIME TOWN

Da sich unter den „Past Passengers“ vielfach hohe Persönlichkeiten (Regierungsbeamte, Würdenträger, Wirtschaftsbosse, Prominente aus Sport, Kultur und Hochadel) befinden, werden die Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere im Schutzbereich oberhalb der Retro-Basis, auf ein Höchstmaß verstärkt. Kein Unbefugter darf sich dem Zugang zu den Geheimanlagen im „Abidias Asylum“ nähern. Wer sich dennoch hierher verirrt, ist so gut wie verloren …

Frage 2) Was sind „Watsons“ bzw. wie unterscheiden sie sich von den Nicht-Watsons?


Ivar: Menschen mit einem hohen Watson-Index haben eine dunklere Seite als andere. Es ist jedoch noch nicht bewiesen, dass das Böse im Menschen auch wirklich ausbricht. Deshalb bekommen die vermeintlichen Verbrecher der Zukunft in Porterville eine zweite Chance. Sie werden als Babys nach Porterville gebracht, wachsen in Waisenhäusern auf und werden ihr Leben lang beobachtet, wie z.B. Edward Leroy Shipman, Tom Lennox, Jimmy Barksdale oder die Nichte von Melinda McFaden. Falls sie dann straffällig werden, kommt die Exekutive (der bleiche Mann) zum Zug. Das ‚Schöne’ an der Vergangenheit, also unserer Gegenwart, ist ja für die Menschen aus der Zukunft, dass hier noch die „alten“ Gesetze gelten: Die Tötung/Beseitigung von Risikopersonen ist in Porterville vollkommen legitim.

John: Etwas wissenschaftlich angehaucht kann man sagen, dass mit steigendem Watson-Index die “soziale Verträglichkeit” eines Menschen stetig abnimmt. Das Zurücksenden der Watsons in die Vergangenheit dient u. a. zur Überprüfung der Frage, ob das Ausmaß von krimineller Energie eher durch das soziale Umfeld eines Menschen oder durch dessen genetische Voraussetzungen bestimmt wird. Wäre Ersteres der Fall, so müsste zum Beispiel zu beobachten sein, dass das Leben der Watsons in der Vergangenheit (also unserer Gegenwart) einen anderen Verlauf als den prognostizierten nimmt.


Frage 3) Wie ist die Gesellschaft der Zeitreisenden aufgebaut (z.B. was gilt als kriminell?)?

Ivar: In der Zukunft gibt es kein klassisches „kriminell“ mehr. Es ist ein ganz „sauberer“ Staat, der Problemfälle bereits im Frühstadium aussondert (siehe oben). Bei uns hingegen, in der Gegenwart, kann sich die Gesellschaft der Zeitreisenden noch richtig ‚austoben’. Auch wenn gewisse private Auswüchse natürlich nicht so gerne gesehen werden. Deshalb geschieht einiges im Verborgenen, siehe „Lauter nette Damen“.

Frage 4) Welchen Stellenwert hat die Kontinuität des Zeitstromes bei den Zeitreisenden? Diese Frage zielt darauf ab, dass den Zeitreisenden zwar bewusst ist, dass das Herumspielen mit dem Zeitstrom katastrophale Folgen haben kann, aber anscheinend eine „Nach mir die Sintflut“-Mentalität vorherrscht (primär aus kapitalistischen Gründen).

Ivar: Oh, das ist eine wirklich philosophische Frage. :-) Grundsätzlich kann man sagen, dass die Gesellschaft sich natürlich über die Zeitlogik und ihre Folgen bewusst ist. Porterville liegt ja unter einer Art „Zeitglocke“, in der so einiges möglich ist. Ehrlicherweise brauchten wir für die Entwicklung unserer Geschichte auch so eine eingeführte Zeitglocken-Regel, damit wir mehr Freiraum fürs Erzählen haben, denn das „Großvater-Paradoxon“ machte uns natürlich auch einiges Kopfzerbrechen. ;-)

Hendrik: Hier möchte ich wiederum Bürgermeister Hudson zitieren: „Damit kommen wir zum Hauptfaktor, warum gerade dieses Gebiet gewählt wurde. Aus Gründen, die ich mit meinen limitierten Kenntnissen nicht näher ausführen kann, stellt das Gebiet des Shaden Forest eine ’Low Reverse Area’ dar. Die Rückkopplungs-Effekte bewegen sich hier in einem kaum noch messbaren Bereich der Skala. Im Klartext bedeutet das: Solange wir uns von hier aus nicht aktiv ins Weltgeschehen einmischen, bleibt Porterville eine geschlossene Blase im Strom der Zeit.“ Mit diesem ‚Kunstgriff‘ haben wir uns die notwendige erzählerische Freiheit verschafft, um nicht ständig mit Zeit-Paradoxien in Konflikt zu geraten. (Näheres zum Thema Zeit auch bei Frage 24.)


Frage 5) Inwieweit spielt das hohe erreichbare Alter der Zeitreisenden dabei eine Rolle?

Ivar: Das hohe Alter war für mich einfach die logische Konsequenz, wenn man in die Vergangenheit schaut. Wie alt sind die Menschen im 15. Jahrhundert geworden und wie alt werden sie heute? Daraus habe ich abgeleitet, dass es in Zukunft möglich sein wird, 150 Jahre und älter zu werden. Das erkennt man z.B. am Ende von „Lauter nette Damen“, wenn Kate Harding am Grabstein ihres Mannes steht.

Frage 6) Wer von den Leuten, die die Geschichte erzählen, stammt eigentlich aus der Zukunft? Primär geht es mir hier um die Charaktere Tom & Sarah (klar), Melinda McFaden, Reggie und natürlich Martin Prey.

Ivar: Bei den aufgezählten Personen stammen nur Melinda McFaden und Tom Lennox aus der Zukunft.


Frage 7) Woraus erklären sich die extremen Gewaltausbrüche? Hier als Beispiel das Verhalten der Bodyguards, die den Jungen im Aufzug zu Tode treten.

Ivar: Verkürzt gesagt liegt das an der „Freiheit“ unserer Zeit, Gewalt anzuwenden. Sie ist alltäglich. Personen aus der Zukunft nutzen das natürlich aus. In Porterville können sie sich – je nach Status – mehr oder weniger ungestraft austoben.

Raimon: Wenn ich hier etwas ergänzen darf … Wie anfangs erwähnt, stellt sich die Zukunft als sauber und „hochmoralisch“ dar. Gewalt – selbst verbale – ist verpönt. Doch die Menschen der Zukunft haben sich noch längst nicht alle von ihren niederen Instinkten gelöst. Howard K. Brenner formuliert es in Folge 17 so: „Das Leben hier setzt bei einigen von uns bisweilen archaische Verhaltensweisen frei.“ Dazu darf sich Brenner auch selbst zählen. Porterville ist weit, weit entfernt von den Regeln der zukünftigen Gesellschaft. Auch von deren Rechtsprechung. Dazu Fahrstuhlführer Kipling in Folge 17: „Einmal in der Heimat angekommen, werde ich Brenners Willkür und die ganzen Widerwärtigkeiten, die hier geschehen, den entsprechenden Stellen melden. Es gibt schließlich noch Gesetze.“ Mit Heimat meint Kipling die Zukunft … seine Gegenwart. Ähnliche Verhaltensweisen wie die der Zeitreisenden, zeigten Menschen in allen Epochen. Denken wir nur an europäische Eroberer in Gesamtamerika, Afrika oder Australien. Egal ob Indianer, Indios, Bantu-Stämme oder Aborigines … Sie wurden von zivilisatorisch „Höherstehenden“ gern wie Dreck behandelt. Gelegenheit schafft Herrenmenschen. Da die Führungsspitze in Porterville von genau solchen Subjekten durchsetzt ist, können die Bodyguards im Hudson-Tower ungestraft einen Jungen (aus der Vergangenheit!) töten.

Frage 8) Wieso wird er, der Junge, (und andere Personen) als Frischlinge bezeichnet?


Ivar: Das ist eine gute Frage an den Autor. ;-) Raimon, würdest du bitte die Frage beantworten?

Raimon: Gern! Aber eigentlich sollten wir das besser dem skrupellosen „Anwalt“ Howard K. Brenner in Folge 17 überlassen: „Es ist eine interne Bezeichnung für ein äußerst dummes oder sehr junges Element. Also in beiden Fällen ohne jegliche Kompetenz, ohne Wissen, und so mit kein großer Verlust für das System.“ Selbstredend, dass Brenner von einer Person der Vergangenheit spricht. Seine Frage, ob Kipling auch ein Frischling sei, ist daher reine Provokation.

Frage 9) Was hat es mit dem roten Flugzeug auf sich? Was war denn im Inneren des Flugzeugs?

Hendrik: Das rote Flugzeug geht auf mein ‚Konto‘ und basiert auf einem realen Spielzeug. Was in ihm enthalten ist, kann ich (noch) nicht verraten, da das Flugzeug in einem eventuellen Spin-off eine Rolle spielen wird. Bis dahin darf natürlich gerne spekuliert werden. ;-)


Frage 10) Was hat es mit dem merkwürdigen Bauwagen auf sich?


Ivar: Der Bauwagen ist einer von vielen Beobachtungsposten. Von dort werden die „Watsons“ in Porterville beobachtet.


Frage 11) Was hat es mit dem Keller unterhalb Teds Tankstelle auf sich?

Ivar: Schön, dass euch dieser Einschub im Epilog aufgefallen ist. Es gibt tatsächlich einige Zitate im Epilog, die nie in der Serie vorgekommen sind. Das sind „Ausblicke“ auf Dinge, die noch nicht geschehen sind oder nicht hätten geschehen dürfen …

Hendrik: Auch ich war sehr gespannt darauf, ob bzw. wann die Zusatz-Zitate entdeckt/entlarvt werden. :-)


Frage 12) Wozu genau dient die Frage “Kennen Sie den Darkside Park”?

Ivar: Das ist eine Hommage an „Who killed Laura Palmer?“ aus der Serie Twin Peaks. Darüber hinaus wollte ich einen markanten Satz, der sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten zieht.

Frage 13) Was hat es damit auf sich, dass mehrere Personen aus dem Waisenhaus stammen (z. B. Edward Leroy Shipman)?

Ivar: Viele Kinder, die in Waisenhäusern aufwachsen, sind in Wahrheit „Watsons“ aus der Zukunft (siehe auch Frage 1 und 2).

Frage 14) Welche Bedeutung hat Jürgen Thormans Lachen am Ende der letzten Folge?

Ivar: Das Lachen von Hudson hat keine geplante tiefere Bedeutung. Tommi Schneefuß, unser Tonmeister, hatte diese Idee und es hat mir gleich gefallen, weil es dem Epilog eine weitere Ebene und damit mehr Interpretations-Spielraum gibt.


Frage 15) Zu Beginn von Folge 17 bezeichnet Friedrich Schönfelder in der Einleitung die Figur Kipling als seinen “ehrwürdigen Nachfolger”. Welche Figur stellt denn Herr Schönfelder dar?

Ivar: Die Figur, die Friedrich Schönfelder spielt, war ebenfalls Fahrstuhlführer im Hudson Tower – der Vorgänger von Mr. Kipling. Und das Intro vor jeder Folge war seine freundliche Begrüßung an die Fahrstuhlgäste.

Frage 16) Sind die Anachrons Kannibalen?

Ivar: Nein. Die Anachrons sind vieles, aber keine Kannibalen. ;-)

Hendrik: Die Porterville-Steaks enthalten kein verstecktes ‚Soylent Green’. ;-)

Frage 17) Was bedeutet der Schweinesteak-Spruch?

Ivar: Auch diese Frage kann euch der Erfinder Raimon Weber am besten beantworten.

Raimon: Ach … vielleicht können wir irgendwann die Gesellschaft der Zukunft mit ihren Abgründen vertiefen. ;-) „Niemand mag es, wenn ein Steak zu einem zweiten Leben erwacht.“ Dieser Satz spiegelt die Situation in der Gesellschaft der Zukunft wieder. Frischfleisch ist dort knapp und nahezu unerschwinglich. Ohnehin wird der Verzehr von Fleisch aus ideologisch/ethischen Gründen nicht gern gesehen. Für die dennoch unverzagten Fleischesser werden Steaks/Schnitzel usw. „regeneriert“. Was bedeutet, dass sie aus allem bestehen, nur nicht aus Frischfleisch.
Gern aber aus bereits … Verdautem.

Frage 18) Was hat der kleine Indianerjunge gesehen, als er in die Hütte des Zeitreisenden schaut und was stellt dieser mit dem Jungen an, dass er schlohweiße Haare bekommt? Was hatte dieses Haus überhaupt für eine Funktion?

Ivar: Das sollte am besten der Autor dieser Folge, Hendrik Buchna, beantworten. Danke, Hendrik! :-)

Hendrik: Bei der Hütte handelt es sich um einen Außenposten der Reisenden. Die Geschichte dreht sich ja um die titelgebende „verbotene Lichtung“, auf der die Bauarbeiten an der gerade entstehenden Retro-Basis in vollem Gange sind. Da die Indianerjungen sich dort, an der Stätte der ‚Erdväter‘, Hilfe gegen den schrecklichen Winter erhoffen, nehmen sie die gefahrvolle Reise durch die Wälder auf sich. Dies bleibt dem Kommandanten der Basis, einem ambitionierten Strategen namens Angus Hudson, nicht verborgen. Um die Gruppe an der Erreichung ihres Ziels zu hindern, setzt er den „bleichen Mann“ (Alpha) auf sie an. Alpha ist es dann auch, der – verkleidet als Farmer – die Indianer in die Scheune lockt. Die ‚Schockbehandlung’ von Jutaka ist sozusagen eine komprimierte Intensiv-Version des späteren Brainwash-Verfahrens – mit verheerenden Folgen für den neugierigen Jungen. Was er genau in der Hütte beobachtet hat, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben … 


Frage 19) Wer war der Angreifer aus der Zukunft in der letzten Folge und warum?

Ivar: Hudson hat sich natürlich im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Feinde gemacht. Und hier hat es – wie Martin Prey – jemand in die Höhle des Löwen geschafft, nämlich Mr. Takumi Sato, um sich zu rächen. Was aber leider schiefgeht …


Frage 20) In welcher Zeit sind sie nach dem Angriff gelandet?

Ivar: Das ist ein Geheimnis. :-) Vielleicht entwickeln wir irgendwann ein Spin-Off zu „Darkside Park“ – dann erfahrt ihr es natürlich.

Frage 21) Wer ist Reggie? (Er erinnert sich an unterschiedliche Tunnelzahlen und -verläufe, scheint also mehrere Instanzen von Porterville erlebt zu kennen, aber er erinnert sich nicht an Zeitreisen. Er gehört also zu keiner bestimmten Instanz von Porterville, ist aber auch keiner von IHNEN.)

Ivar: Reggie steht zwischen den Welten. Aber am besten erzählt euch John Beckmann mehr zu ihm. John? ;-)

John: Richtig, Reggie ist kein Eingeweihter, auch hat er nie eine Zeitreise gemacht. Reggies große Talente sind seine Auffassungsgabe und noch vielmehr seine Anpassungsfähigkeit, seine Fähigkeit, unerkannt zu bleiben – nur dadurch war es ihm überhaupt möglich, so lange zu überleben. Sein gesamtes Wissen über Porterville und seine Strukturen resultiert aus den Beobachtungen und Nachforschungen, die er nach dem Verschwinden der Kioskbesitzerin Martha angestellt hat. Hinsichtlich der Anzahl der Tunnel und deren Verläufe ist anzumerken, dass diese Veränderungen sehr kurzfristig geschehen – das unterirdische Tunnelsystem ist also nicht starr, sonder flexibel veränderbar.


Frage 22) Es macht für mich keinen Sinn, dass die Bodyguards z.B. den Jungen und die Frau (?) einfach so töten? Woher kommt diese Gewalt?

Ivar: Siehe oben, Antwort 7). Oder vielleicht möchten auch Raimon oder Hendrik etwas dazu schreiben?

Raimon: Da kann ich Ivar nur beipflichten: Siehe Antwort 7).

Hendrik: Auf das Thema Gewalt gehe ich auch bei der folgenden Antwort ein.

Frage 23) Die Touristen leben ihre Gewaltfantasien in Porterville aus? Nur wer sind ihre Opfer? Leute aus unserer Zeit, die zuviel Fragen gestellt haben? Personen aus der Zukunft, die den Watson Test nicht bestanden haben? Ersteres würde zumindest wieder ein Zeitparadoxon auslösen.

Hendrik: Da hier wohl insbesondere die Szene in den Grünanlagen („Willkommen in Porterville!“) gemeint ist, kann ich konkret antworten, dass es sich bei der gefesselten Frau in der Tat um einen gescheiterten „Watson“ handelt, der den Touristen zu ‚Unterhaltungszwecken’ zur Verfügung gestellt wird. Später wird dann vermutlich die Brainwash-Behandlung folgen. Da die Gewalttätigkeit dieser Szene bisweilen auf Irritation gestoßen ist, möchte ich noch anmerken, dass es nach meiner Vorstellung bei diesem ‚Spiel’ eher um psychische Folter geht. Zwischen der Frau und den Kindern befindet sich ein ziemlich großer Abstand (vielleicht zwanzig oder dreißig Meter), und die kleinen Racker schießen nun mit ihren Pfeilen munter drauflos. Zitat Martin Prey: „Moment mal – schießen die verkleideten Kinder da mit echten Pfeilen auf die gefesselte Frau??“ Von Treffern ist nicht die Rede. ;-)

Frage 24) Wieso wußte der Bürgermeister, der aus der Zukunft kommt, am Ende nicht, dass er in der Bahn von dem Typen mit dem Striker angegriffen wird und der Zug auf der Zeitreise “entgleist”?

Ivar: Unsere Konzeption beruht darauf, dass die Zeitreisenden nur den groben Verlauf der Zukunft kennen, aber nicht alle Details. Ansonsten gäbe es für die Stadtherrscher ja keine Unvorhersehbarkeiten, keine Gefahren und somit – dramaturgisch gesehen – auch keine Spannung in Porterville. Aber vielleicht kann Hendrik zu diesem Punkt noch etwas mehr sagen?

Hendrik: Einer der wichtigsten Faktoren bei unserem DSP-Konzept war, dass die Zeitreisen keine beliebige Variabilität besitzen. Der sogenannte Crenlynn-Tunnel ist ein überaus sensibles Konstrukt, das nur in einem genau abgestimmten Rhythmus und in einer exakt justierten Konstellation genutzt werden kann. Nach meiner Vorstellung hat sich bei den Reisenden die Erkenntnis durchgesetzt, dass die zeitliche Distanz zwischen der Zukunft (Ausgangspunkt der Reisen) und der Gegenwart (Ankunftspunkt in Porterville) eine konstante Größe bleiben muss, an der nicht herummanipuliert werden darf, da ansonsten das gesamte System kollabieren könnte. Hinzu kommt die einschneidende Erfahrung, dass die Geschichte – zumindest im Großen und Ganzen – unwandelbar ist. 1881 gab es in Porterville ja das Experiment eines vollständigen Reboots, der sich aber als Fehlschlag erwies, weil sich die Dinge letztlich doch wieder in dieselbe Richtung entwickelten wie vor dem Neustart. Aus diesem Grund raubt Bürgermeister Hudson dem verzweifelten Martin Prey während des großen Finales jede Hoffnung, dass alles Unheil abwendbar wäre, wenn Martin in die Vergangenheit reisen und Sarah vom Betreten des Abidias Asylum abhalten würde. Hier die entsprechende Szene:

Hudson: „Martin, glauben Sie mir – ich kann Ihren Elan durchaus nachvollziehen, aber ein solches Vorhaben ist gänzlich undurchführbar. Zum einen lassen uns die gesetzlichen Bestimmungen keinerlei Spielraum für individuelle Retro-Transfers. Zum anderen kann ich Ihnen aufrichtig versichern, dass die Dinge dennoch so kommen würden, wie sie gekommen sind, selbst wenn Sie versuchen würden, rückwirkend einzugreifen.“
Martin (wütend): „Das ist doch hohles Gequatsche!!“
Hudson (bedauernd): „Sie tun mir Unrecht, Martin. Ich möchte mich keineswegs zu einem pathetischen Kalenderspruch im Stile von ‚Das Schicksal ist unabänderlich’ herablassen. Als Pragmatiker sind mir wohlfeile Pauschal-Aussagen über die ’großen Weltzusammenhänge’ ein Gräuel. Ich weiß durchaus nicht, ob ’das Leben an sich’ immer seinen Weg findet, und um ehrlich zu sein, will ich es auch gar nicht wissen. Was ich aber mit valider Sicherheit sagen kann, ist, dass Porterville immer seinen Weg findet. Ganz gleichgültig, mit welcher Vehemenz man sich den Entwicklungen entgegenstemmt.“
Martin: „Blödsinn!!“
Hudson: „Glauben Sie wirklich, wir hätten in Extremsituationen nicht einen vergleichbaren Versuch unternommen, um Unheil abzuwenden? Als uns das erste Mal der St. Helena Park um die Ohren geflogen ist, gab es nach langen Debatten den einmütigen Beschluss, einen kompletten ’Reboot’ durchzuführen. Sozusagen die Uhren wieder auf Null zu stellen und erneut im Jahr 1877 mit Porterville zu starten.“
Martin: „Was ist passiert?“
Hudson: „Na, alles! Es ist alles wieder passiert, obwohl wir Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatten, um die Entwicklung von damals zu verhindern. Auf einzelnen Schauplätzen ist uns das auch gelungen, aber das große Ganze ließ sich nicht beeinflussen.“

Vereinfacht formuliert könnte man sagen, dass die groben Entwicklungsverläufe bekannt sind – schließlich steht die Stadtführung von Porterville ja mit der Zukunft in beständigem Kontakt, so dass man weiß, in welche Richtung sich die Dinge grundsätzlich entwickeln werden. Individuelle Details sind jedoch nicht vorhersehbar, da die Zeitreise-Technik es nicht zulässt, ‚mal eben so’ einen kleinen Ausflug (beispielsweise in den nächsten Tag) zu unternehmen, um zu überprüfen, ob und wie sich eine bestimmte Krisensituation entwickelt. Wären solche kurzfristigen Zeitreisen – sei es in die nahe Zukunft oder Vergangenheit – möglich, hätten wir bei „Darkside Park“ das grundlegende Problem gehabt, dass die Stadtführung sich jeder Gefahr mühelos entledigen könnte. Man müsste beim Auftreten eines Problems (beispielsweise Martin Preys Flucht) ja lediglich ein Spezialistenteam an den entsprechenden Punkt in der Vergangenheit schicken, um die Entstehung der Krise von vornherein zu verhindern. Auf diese Weise wäre Porterville zwar absolut krisensicher, aber eben auch weitgehend spannungsarm. Aus diesem Grund haben wir uns für das Konzept des statischen Crenlynn-Tunnels entschieden, der die Zeitreise-Möglichkeiten auf ein überschaubares Maß begrenzt. Ärgerlich für die Stadtführung, aber gut für die Serie. ;-)

Frage 25) Warum kommen in der Zusammenfassung Sachen vor, die in der eigentlichen Folge gar nicht vorkamen?

Ivar: Siehe Antwort 11). Aber es freut mich wirklich, dass euch das aufgefallen ist. ;-)

Hendrik: Das Hineinschmuggeln dieser Mini-Szenarien hat mir besonderen Spaß gemacht, weil sie für den Hörer eine zusätzliche detektivische Herausforderung darstellen. „Die drei ???“ meets „Darkside Park“ sozusagen. :-)

 

Vielen Dank für eure interessanten Fragen, die wir hoffentlich einigermaßen zu eurer Zufriedenheit beantworten konnten.

Dunkle Grüße aus „Tele-Porterville“ senden euch
Ivar Leon Menger, Hendrik Buchna, John Beckmann und Raimon Weber
Mai 2011

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