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Wir haben schon immer im Schloss gelebt

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Wir haben schon immer im Schloss gelebt
Shirley Jackson
EUR 4,99 (221 Seiten)

Ich heiße Mary Katherine Blackwood. Ich bin achtzehn Jahre alt, und ich lebe zusammen mit meiner Schwester Constance. Ich habe oft gedacht, dass ich mit ein bisschen Glück als Werwolf auf die Welt gekommen wäre, weil Mittel- und Ringfinger an beiden Händen gleich lang sind, aber ich muss mich mit dem zufriedengeben, was ich nun einmal bin. Ich wasche mich nicht gern und mag weder Hunde noch Lärm. Ich mag meine Schwester Constance, Richard Plantagenet und Amanita phalloides, den grünen Knollenblätterpilz. Sonst lebt niemand mehr von meiner Familie.

“Das Buch geht unter die Haut. Die gespenstische Atmosphäre, in der die beiden Schwestern und der halbverrückte Onkel leben, ist so beklemmend geschildert, dass man von der Lektüre nicht mehr loskommt, bis man endlich die letzte Seite erreicht hat.”
- Frankfurter Rundschau

Wir haben schon immer im Schloss gelebt
Shirley Jackson
EUR 4,99 (221 Seiten)

Wir haben schon immer im Schloss gelebt

Ich heiße Mary Katherine Blackwood. Ich bin achtzehn Jahre alt, und ich lebe zusammen mit meiner Schwester Constance. Ich habe oft gedacht, dass ich mit ein bisschen Glück als Werwolf auf die Welt gekommen wäre, weil Mittel- und Ringfinger an beiden Händen gleich lang sind, aber ich muss mich mit dem zufriedengeben, was ich nun einmal bin. Ich wasche mich nicht gern und mag weder Hunde noch Lärm. Ich mag meine Schwester Constance, Richard Plantagenet und Amanita phalloides, den grünen Knollenblätterpilz. Sonst lebt niemand mehr von meiner Familie.

“Das Buch geht unter die Haut. Die gespenstische Atmosphäre, in der die beiden Schwestern und der halbverrückte Onkel leben, ist so beklemmend geschildert, dass man von der Lektüre nicht mehr loskommt, bis man endlich die letzte Seite erreicht hat.”
- Frankfurter Rundschau

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Ich heiße Mary Katherine Blackwood. Ich bin achtzehn Jahre alt, und ich lebe zusammen mit meiner Schwester Constance. Ich habe oft gedacht, dass ich mit ein bisschen Glück als Werwolf auf die Welt gekommen wäre, weil Mittel- und Ringfinger an beiden Händen gleich lang sind, aber ich muss mich mit dem zufriedengeben, was ich nun einmal bin. Ich wasche mich nicht gern und mag weder Hunde noch Lärm. Ich mag meine Schwester Constance, Richard Plantagenet und Amanita phalloides, den grünen Knollenblätterpilz. Sonst lebt niemand mehr von meiner Familie.
Als ich das letzte Mal einen Blick auf die aus der Bibliothek ausgeliehenen Bücher warf, war die Leihfrist schon mehr als fünf Monate überzogen, und ich fragte mich, ob ich andere Bücher ausgesucht hätte, wenn ich gewusst hätte, dass dies die letzten sein würden, die, die für immer auf unserem Küchenbord stehen würden. Wir stellten selten etwas um; die Blackwoods hatten noch nie viel übrig für Unrast und Umtriebigkeit. Wir räumten die kleinen, flüchtigen, vergänglichen Dinge um, Bücher, Blumen, Löffel, aber stets gab es einen soliden Grundstock unverrückbarer Besitztümer. Wir legten die Gegenstände immer dorthin zurück, wo sie hingehörten. Wir kehrten unter Tischen, Stühlen, Betten, Teppichen und wischten Staub von Bildern und Lampen, aber wir ließen alles dort, wo es war; die Toilettengarnitur aus Schildpatt auf der Frisierkommode unserer Mutter wurde niemals auch nur um den Bruchteil eines Zentimeters verrückt. Schon seit eh und je haben Blackwoods in unserem Haus gelebt, und sie hielten ihre Sachen in Ordnung; sobald eine neue Frau in die Familie einheiratete, wurde ein Platz für ihre Habe gefunden, und auf diese Weise wurde unser Haus von Schichten von Blackwoodschem Eigentum gebildet und beschwert, so dass es der Welt standhielt.
Es war an einem Freitag Ende April, als ich die Bücher aus der Bibliothek in unser Haus brachte. Der Freitag und der Dienstag waren schreckliche Tage, weil ich ins Dorf gehen musste. Irgendeiner musste schließlich in die Bibliothek und in den Lebensmittelladen; Constance tat keinen Schritt über ihren Garten hinaus, und Onkel Julian konnte nicht gehen. Ich ging also nicht aus Stolz oder gar aus Sturheit zweimal in der Woche ins Dorf, sondern einfach, weil wir Bücher und Lebensmittel brauchten. Vielleicht war es Stolz, der mich dazu trieb, in Stellas Café eine Tasse Kaffee zu trinken, bevor ich mich auf den Heimweg machte; ich sagte mir, es sei Stolz, und versäumte es nie, bei Stella hereinzuschauen, gleichgültig, wie sehr ich mir wünschte, zu Hause zu sein, aber ich wusste auch, dass Stella mich vorbeigehen sehen würde, falls ich nicht hereinkam, und womöglich glauben könnte, ich hätte Angst, und dieser Gedanke war mir unerträglich.
»Guten Morgen, Mary Katherine«, begrüßte mich Stella jedesmal, während sie sich vorbeugte, um mit einem feuchten Tuch die Theke abzuwischen. »Wie geht es dir heute?«
»Sehr gut, danke.«
»Und Constance Blackwood, geht es ihr gut?«
»Sehr gut, danke.«
»Und wie geht es ihm?«
»Den Umständen entsprechend. Einen schwarzen Kaffee, bitte.«
Wenn jemand hereinkam und sich an die Theke setzte, ließ ich meinen Kaffee stehen, ohne dass es aussah, als hätte ich es eilig, verabschiedete mich mit einem Kopfnicken von Stella und ging hinaus. »Bleib gesund«, sagte sie immer automatisch, wenn ich ging.
Ich suchte die Bücher in der Bibliothek mit Bedacht aus. Natürlich gab es auch in unserem Haus Bücher; im Arbeitszimmer unseres Vaters waren zwei ganze Wände mit Büchern bedeckt, aber ich mochte Märchen und Geschichtsbücher, und Constance mochte Bücher über Ernährung. Obwohl Onkel Julian niemals ein Buch in die Hand nahm, hatte er es gern, wenn Constance abends las, während er an seinen Papieren arbeitete, und manchmal drehte er sich zu ihr um, sah sie an und nickte ihr zu.
»Was liest du, meine Liebe? Eine Dame mit Buch ist immer ein entzückender Anblick.«
»Ich lese etwas, das sich Die Kunst des Kochens nennt, Onkel Julian.«
»Bewundernswert.«
Natürlich saßen wir nie lange ruhig da, wenn Onkel Julian im Zimmer war, aber ich erinnere mich nicht, dass Constance oder ich jemals eines der Bücher aus der Bibliothek, die noch immer auf unserem Küchenbord stehen, aufgeschlagen hätte. Es war ein schöner Morgen im April, als ich aus der Bibliothek kam; die Sonne schien, und überall sahen die herrlichen falschen Versprechungen des Frühlings seltsam aus dem Schmutz des Dorfes hervor. Ich erinnere mich, dass ich auf den Stufen zur Bibliothek stand, die Bücher in der Hand, und für einige Augenblicke das zarte, kaum angedeutete Grün an den Zweigen vor dem Himmel betrachtete und wie gewöhnlich wünschte, ich könnte über den Himmel anstatt durch das Dorf nach Hause gehen. Von den Stufen aus konnte ich die Straße überqueren und auf der anderen Seite bis zum Lebensmittelladen gehen, aber das bedeutete, dass ich an der Gemischtwarenhandlung und an den Männern, die davor saßen, vorbei musste. In diesem Dorf blieben die Männer jung, sie waren es, die den Klatsch verbreiteten, und die Frauen alterten früh vor ewigem grauem Überdruß und warteten schweigend darauf, dass die Männer aufstanden und nach Hause kamen. Ich konnte auch auf dieser Seite weitergehen und erst, wenn ich gegenüber dem Lebensmittelladen war, die Straße überqueren; diesen Weg zog ich vor, obwohl er mich an der Post und am Rochester-Haus vorbeiführte, wo sich verrostetes Blech, zu Schrott gefahrene Autos, leere Gasflaschen, alte Matratzen, Leitungsrohre und Badewannen auftürmten, Dinge, die die Harlers sammelten und – wie ich ehrlich glaube – liebten.
Das Rochester-Haus war das schönste im Dorf; früher hatte es dort eine mit Walnussholz vertäfelte Bibliothek und im ersten Stock einen Ballsaal gegeben, und die Veranda war von Rosen überwachsen gewesen. Unsere Mutter war dort geboren worden, und von Rechts wegen hätte das Haus Constance gehören müssen. Wie gewöhnlich fand ich, dass es sicherer sei, an der Post und am Rochester-Haus vorbeizugehen, obwohl ich nicht gern an dem Haus vorbeiging, in dem unsere Mutter geboren worden war. In der Regel war diese Straßenseite vormittags menschenleer, weil sie im Schatten lag, und nachdem ich eingekauft hätte, würde ich sowieso an der Gemischtwarenhandlung vorbei müssen, um nach Hause zu gelangen, und sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg daran vorbeizukommen, war mehr, als ich aushalten konnte.
Außerhalb des Dorfes, an der Hill Road, an der River Road und in Old Mountain, hatten sich Leute wie die Clarkes und die Carringtons neue, hübsche Häuser gebaut. Sie mussten durch das Dorf, um zur Hill Road und zur River Road zu gelangen, weil die Hauptstraße des Dorfes auch die Überlandstraße war, aber die Kinder der Clarkes und die Söhne der Carringtons besuchten Privatschulen, und die Lebensmittel für die Haushalte an der Hill Road wurden aus den Städten und der Großstadt gebracht; die Post wurde vom Dorfpostamt mit dem Auto in der River Road und in Old Mountain ausgefahren, aber die Leute von Old Mountain schickten ihre Briefe in den Städten ab, und die von der River Road gingen in der Großstadt zum Friseur.
Ich wunderte mich immer darüber, dass die Leute aus dem Dorf, die in schmutzigen kleinen Häusern entlang der Hauptstraße oder etwas außerhalb an der Creek Road wohnten, den Clarkes und den Carringtons, wenn sie durch das Dorf fuhren, zulächelten, nickten und winkten; wenn Helen Clarke in Elberts Laden kam, um eine Dose Tomatensoße oder ein Pfund Kaffee zu holen, das ihr Koch vergessen hatte, dann begrüßten sie alle mit »Guten Tag« und meinten, dass das Wetter heute wieder besser sei. Das Haus der Clarkes ist neuer, aber nicht schöner als das der Blackwoods. Unser Vater brachte das erste Klavier ins Haus, das das Dorf je gesehen hatte. Den Carringtons gehört die Papiermühle, den Blackwoods aber das ganze Land zwischen der Überlandstraße und dem Fluß. Den Shepherds von Old Mountain verdankt das Dorf sein spitzgiebeliges weißes Rathaus, das von grünem Rasen umgeben ist, und davor steht eine Kanone. Einmal war im Gespräch, Bebauungspläne für das Dorf aufzustellen, die Hütten an der Creek Road niederzureißen und das ganze Dorf neu zu erbauen, damit es zum Rathaus passte, aber niemand rührte einen Finger; vielleicht fürchteten sie, dass in diesem Fall die Blackwoods an den Gemeinderatssitzungen teilnehmen würden. Im Rathaus bekommen die Dorfbewohner ihre Jagd- und Angelscheine, und einmal im Jahr gehen die Clarkes, die Carringtons und die Shepherds zur Gemeinderatssitzung und stimmen feierlich für die Beseitigung der Harlerschen Müllhalde an der Hauptstraße und der Bänke vor dem Gemischtwarenladen, und jedes Jahr überstimmen die Dorfbewohner sie voller Schadenfreude. Links hinter dem Rathaus beginnt die Blackwood Road, mein Heimweg. Die Blackwood Road umrundet das Blackwoodsche Land in weitem Bogen, und jeder Zentimeter der Blackwood Road ist durch einen Drahtzaun geschützt, den unser Vater errichten ließ. Nicht weit hinter dem Rathaus steht der große schwarze Felsen, der den Beginn des Pfades markiert, wo ich das Tor zuerst auf- und dann hinter mir wieder zuschließe; dann gehe ich durch den Wald und bin zu Hause.
Die Dorfbewohner haben uns seit jeher gehasst.

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