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Wir waren unsterblich

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Der spannende Erfolgsroman von Raimon Weber

Wir waren unsterblich
Raimon Weber
EUR 4,99 (186 Seiten)

Eine westfälische Kleinstadt im Spätsommer 1975: Ein verlassener Bauernhof, der Inhalt eines vergessenen Kühlschranks und der verbotene Keller. Fünf Jungen erleben einen Albtraum aus Gewalt und Erpressung, in dem Lüge und Wahrheit miteinander verschmelzen. Sie wollen dem Schwächsten ihrer Clique helfen und schmieden einen riskanten Plan. Er beginnt wie ein schlecht durchdachter Jugendstreich und endet mit der ersten Leiche. 20 Jahre später holt sie die Vergangenheit ein. Ein Roman über mysteriöse Todesfälle, langjährige Freundschaften und den Glauben an die Unsterblichkeit …

“Webers besonderes Talent besteht darin, den Leser in die Ängste, die Panik seiner Personen eintauchen zu lassen. Hier agieren keine eiskalten Killer, sondern normale Menschen, die, überfordert von der Situation, von einem Desaster ins nächste tappen. Man spürt die Glaubwürdigkeit der Akteure und leidet mit ihnen, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.” – WAZ

Wir waren unsterblich
Raimon Weber
EUR 4,99 (186 Seiten)

Wir waren unsterblich

Eine westfälische Kleinstadt im Spätsommer 1975: Ein verlassener Bauernhof, der Inhalt eines vergessenen Kühlschranks und der verbotene Keller. Fünf Jungen erleben einen Albtraum aus Gewalt und Erpressung, in dem Lüge und Wahrheit miteinander verschmelzen. Sie wollen dem Schwächsten ihrer Clique helfen und schmieden einen riskanten Plan. Er beginnt wie ein schlecht durchdachter Jugendstreich und endet mit der ersten Leiche. 20 Jahre später holt sie die Vergangenheit ein. Ein Roman über mysteriöse Todesfälle, langjährige Freundschaften und den Glauben an die Unsterblichkeit …

“Webers besonderes Talent besteht darin, den Leser in die Ängste, die Panik seiner Personen eintauchen zu lassen. Hier agieren keine eiskalten Killer, sondern normale Menschen, die, überfordert von der Situation, von einem Desaster ins nächste tappen. Man spürt die Glaubwürdigkeit der Akteure und leidet mit ihnen, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.” – WAZ

Eis brichtWir waren unsterblichZwienachtWozu wir fähig waren

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Herbst 1975

Niemand gab uns die Schuld. Jungen in dem Alter suchen das Abenteuer, hieß es. Und halten sich natürlich an verbotenen Orten auf. Dem Bauern hingegen machte man schwere Vorwürfe. Er hätte uns niemals so erschrecken dürfen. Es kam zwar zu keiner Gerichtsverhandlung, aber nach einiger Zeit verkaufte er seinen Hof und zog fort.
Ausgerechnet durch Töffels Tod geschah genau das, was ich mir am meisten gewünscht hatte: Hilko, Markus, Leo und ich gingen nie mehr nach Hausfriedensbruch. Wir versuchten einfach, den Lichtlosen und die ganze Geschichte zu vergessen.

Winter 1995

Die Friedhofskapelle war fast leer. Gerade mal ein Dutzend Leute war gekommen, um von Hilko Abschied zu nehmen. In der ersten Reihe saßen sein Bruder und seine Mutter. Der Rest der Trauernden bestand aus mir unbekannten Verwandten und Markus. Der Pfarrer hielt eine Rede und tat so, als habe er Hilko gekannt. Dabei war ich mir sicher, dass unser Freund niemals freiwillig einen Gottesdienst besucht hätte.
Als sie den Sarg ins Grab senkten, fing es an zu schneien. Niemand weinte. Alles schien in einer gewissen Distanz zu geschehen, als ob ich es durch eine Glasscheibe betrachtete. Wir schaufelten jeder einen Brocken gefrorenen Lehm auf den Sargdeckel und wandten uns schweigend ab.
Etwas abseits der Trauergesellschaft stand ein Paar und starrte zu uns hinüber. Es war kalt und sie trugen dunkle Wollmützen und lange Mäntel. Der Mann tätschelte der Frau die Wange, flüsterte ihr etwas ins Ohr und kam dann auf uns zu. Der Schnee knirschte unter seinen Schritten.
„Es ist Leo“, sagte Markus. Wir hatten ihn seit damals nicht mehr gesehen. Er hatte ordentlich an Gewicht zugelegt, die Haare waren sauber gescheitelt und sein Mantel schien teuer gewesen zu sein. Aber auch ich erkannte ihn sofort. Die Art, wie er die schmalen Lippen aufeinander presste, so dass sie zwei blutleere Striche bildeten. Wenn er sprach, führte er meistens eine Faust zum Mund, um seine schlechten Zähne zu verbergen. So wie jetzt.
„Ich habe es aus der Zeitung erfahren“, sagte Leo. Er nickte Markus und mir ernst zu und gab uns die Hand. Das Ganze wirkte sehr förmlich, wie ein Treffen unter Geschäftspartnern oder Politikern. Ich freute mich ihn wiederzusehen, aber es war gleichzeitig auch ein Gefühl der Peinlichkeit, dass uns ausgerechnet dieser Anlass zusammenführte.
„Ich habe Hilko ein paar Mal in Kleve besucht. Damals nahm er noch keine harten Drogen, aber … .“ Er seufzte hinter seiner Faust. „Der Weg führte dahin. Ich hätte es wissen müssen.“
„Ich habe versucht, deine Adresse herauszufinden.“ Das stimmte zwar, aber als ich Leo nicht auf Anhieb ausfindig machen konnte, strengte ich mich nicht weiter an.
„Ich habe Astrids Familiennamen angenommen.“ Leo deutete mit einem Kopfnicken auf die Frau mit der Wollmütze. Sie pustete sich gerade warmen Atem in ihre Hände. Der Schnee fiel jetzt in dicken Flocken. Ein kleiner Schaufelbagger knat-terte durch die weißen Schleier und der Fahrer machte sich bereit, das Grab aufzufüllen. Ein Moment des Schweigens entstand. „Tja“, sagte ich. „Ziemlich ungemütlich hier. Wollen wir noch irgendwo was trinken?“
Leo zögerte. „Wir haben nicht viel Zeit.“ Seine Frau kehrte uns den Rücken zu, aber trotzdem glaubte ich, ihre Ungeduld zu spüren. Leo trat ganz nahe an uns heran. „Wir müssen reden. Es geht um den Lichtlosen.“
Ich fror. Der Wind fuhr unter mein viel zu dünnes Jackett.
„Warum tust du das, Leo?“ Markus klang gereizt. „Warum musst du diese alten Geschichten wieder aufwärmen?“ Mit einem Mal blitzte der Jähzorn seiner Jugend wieder auf. „Es ist schon schlimm genug, Hilko unter die Erde zu bringen. Und du kommst mit dieser … Scheiße!“
„Es muss sein“, beharrte Leo und nur ein nervöses Zucken seiner Augenlider zeigte, dass noch immer etwas von der Furcht vor Markus´ Wutausbrüchen geblieben war. „Es gibt wirklich wichtige Neuigkeiten.“
„Was für Neuigkeiten?“, fragte ich.
„Schlechte Neuigkeiten.“
Hinter uns gab es ein hässliches Knirschen, als der Fahrer des Schaufelbaggers einen falschen Gang einlegte. „Nicht hier.“ Zwei Tränen rannen über Leos Gesicht. Es war, als leisteten sie sich ein Wettrennen. Er reichte jedem von uns eine Visitenkarte. Unter dem Namen seiner Baufirma standen zwei Adressen: die seines Büros und seine private.
„Du wohnst im Zedernweg?“ Markus hielt ihm die Visitenkarte vor die Nase und einen Moment lang befürchtete ich, er würde Leo schlagen. „Bist du pervers, Mann?“
„Nein. Passt euch morgen Abend um acht?“
Ich stammelte ein Ja. Leo nickte uns kurz zu und ging. Markus schnaubte und machte einen energischen Schritt nach vorn. Ich hielt ihn fest. „Ich will das nicht“, knurrte er. „Der Kerl muss verrückt sein. Nach allem, was dort geschehen ist, wohnt er ausgerechnet im Zedernweg.“
Leos Frau drehte sich im Weggehen noch einmal nach uns um. Selbst aus der Entfernung konnte ich erkennen, dass sie zart, fast zerbrechlich aussah. In ihrem Blick für uns lag nichts Freundliches. Für sie waren wir die unseligen Relikte einer Vergangenheit, die ihren Mann noch immer verfolgte.
Ich schloss kurz die Augen und in meinem Kopf erschienen die Bilder von damals. Sie ließen sich nicht mehr vertreiben und bildeten in meinem Bewusstsein schmerzende Druckstellen der Schuld. Alles war wieder da.

Sommer 1975

Jeder hat einen glücklichen Geruch. Plötzlich ist er da, erinnert an einen ganz besonderen Augenblick, einen Menschen, den man liebte – vielleicht noch immer liebt –  oder an die Kindheit.
Mein Geruch ist der Duft frisch gemähter Getreidefelder. Schwer hängt er im Spätsommer über den harten, gelben Stoppeln. Ich atme tief ein, spüre ein trockenes Kratzen in der Kehle und weiß, wie es damals war, als ein Jahr mindestens dreimal so lang zu sein schien und wir glaubten, alles erreichen zu können. Wir fühlten uns unsterblich. Wir würden erleben, dass die Menschen Kolonien auf dem Mars errichten und die Autos fliegen können.
Ich nenne es die Zeit der großen Freundschaft und des Lebens im Zwischenreich: zu alt, um ein Kind zu sein und doch noch weit entfernt von der Welt der Erwachsenen.
Wir waren zu fünft: Markus, Hilko, Leo, Töffel – der eigentlich Christoph hieß – und ich. Nur die Lehrer zitierten mich mit meinem richtigen Namen an die verhasste Tafel: Richard. Für meine Freunde war ich Ritsch.
Es gab noch andere in unserem Bekanntenkreis, aber die spielen keine große Rolle. Sie wissen nichts von jenen Ereignissen in den Siebzigern. Deshalb haben sie auch überlebt.

Wir waren unsterblich
Raimon Weber

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