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Zwienacht

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Der schockierende Psychothriller von Raimon Weber

Zwienacht
Raimon Weber
EUR 4,99 (222 Seiten)

Bestseller-Autor Richard Gerling öffnet orientierungslos die Augen. Ein sanfter Kindergesang hat ihn geweckt. Benommen kriecht er aus einem Gebüsch hervor und steht mitten auf einem Einschulungsfest von Erstklässlern. Die Zuschauermenge schreit entsetzt auf: Richard Gerling ist halbnackt! Was ist passiert? Ohne jegliche Erinnerung, taucht Gerling in einer Kleinstadt im Osten Deutschlands vor den Medien unter. Doch auf der Suche nach der Wahrheit, gerät er plötzlich in den Mittelpunkt der Gefahr … „Zwienacht“ – ein packender Psychothriller von Darkside Park-Autor Raimon Weber, der unter die Haut geht!

„Mit einem weiteren Streich bestätigt Raimon Weber, regionaler Kultautor, seinen Ruf als ‚Stephen King’ des Ruhrgebiets.“ – WAZ

„Der spannungsgeladene und zuweilen beklemmende Thriller spricht vor allem Gänsehaut-Fans an!“ – WESTFALIUM

Zwienacht
Raimon Weber
EUR 4,99 (222 Seiten)

Zwienacht

Bestseller-Autor Richard Gerling öffnet orientierungslos die Augen. Ein sanfter Kindergesang hat ihn geweckt. Benommen kriecht er aus einem Gebüsch hervor und steht mitten auf einem Einschulungsfest von Erstklässlern. Die Zuschauermenge schreit entsetzt auf: Richard Gerling ist halbnackt! Was ist passiert? Ohne jegliche Erinnerung, taucht Gerling in einer Kleinstadt im Osten Deutschlands vor den Medien unter. Doch auf der Suche nach der Wahrheit, gerät er plötzlich in den Mittelpunkt der Gefahr … „Zwienacht“ – ein packender Psychothriller von Darkside Park-Autor Raimon Weber, der unter die Haut geht!

„Mit einem weiteren Streich bestätigt Raimon Weber, regionaler Kultautor, seinen Ruf als ‚Stephen King’ des Ruhrgebiets.“ – WAZ

„Der spannungsgeladene und zuweilen beklemmende Thriller spricht vor allem Gänsehaut-Fans an!“ – WESTFALIUM

Eis brichtWir waren unsterblichZwienachtWozu wir fähig waren

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“Den Fünften strangulierte und erschlug ich im Osten. In Demut vor meiner ungeheuren Aufgabe.” (Der Reisende)

Spätsommer

Unter den geschlossenen Lidern huschten die Augen hin und her.
Gesang weckte ihn. Er öffnete die verklebten Lippen und ächzte heiser.
Es war schwül, die Luft fühlte sich klebrig an.
Durst!
Niemals in seinem Leben war er durstiger gewesen. Er versuchte sich aufzurichten, aber die Muskeln wollten nicht gehorchen. Für Sekunden glitt er zurück in den Schlaf.  
Die hellen Stimmen drangen erneut in sein Bewusstsein. Richards müder und verwirrter Verstand suchte nach einer Erklärung. Hatte er vergessen, den Fernseher auszuschalten? Warum fühlte sich seine Matratze so hart an? War er etwa  auf dem Fußboden eingeschlafen?
Richard öffnete die Augen erneut und verstand nichts von dem, was er sah. Ihn umgab ein Halbdunkel unter Zweigen mit fleischigen Blättern, von denen ein moderiger Geruch ausging, der ihn würgen ließ.
Irgendwo in der Nähe wurde ein neues Lied angestimmt.
Richard kroch auf allen Vieren über den lehmigen Untergrund, zuckte instinktiv zurück, als sich die Spitze eines Zweiges in seine Wange bohrte und schrie auf, als ein weiterer, zurückschnellender Zweig sein Gesicht peitschte. Der Schmerz ließ seine Augen tränen. Die Tränen vermischten sich mit Schweiß. Er geriet in Panik, war völlig desorientiert, stieß halb blind winselnde Laute aus, rutschte auf den Knien hektisch weiter, beide Arme zum Schutz vor weiteren Angriffen des Gebüschs über dem Kopf verschränkt. Ein Kronkorken bohrte sich in sein Knie.
Dann war er frei, hockte im Licht und musste sich übergeben. Er würgte den Inhalt seines Magens mit solcher Vehemenz hervor, dass er trotz seiner Verwirrung befürchtete, irgendetwas in seinem Inneren könnte dabei zerreißen.
Der Gesang geriet ins Stocken, einzelne Stimmen setzten aus, schließlich alle, bis auf eine, die anders … älter klang. Vielleicht zwei Sekunden lang intonierte sie noch inbrünstig das Lied von den Indianern und den Chinesen, die lesen lernen wollten, wie um die anderen wieder zum Mitsingen zu bewegen.
Stille.
Jemand sagte laut „Mein Gott!“, ein Mädchen rief „Iiih!“ und übergangslos war der Platz von wütendem Geschrei erfüllt.
Richard hob den Kopf und wischte sich mit den Fäusten übers Gesicht, um klarer sehen zu können.
Mindestens hundert Augenpaare starrten ihn an. Männer, Frauen und vor allem Kinder. Zwei Dutzend Jungen und Mädchen standen auf einem Podest. Vor ihnen eine einzelne Frau – graue Kurzhaarfrisur, hellblaues Kleid mit einem Schweißfleck, der sich entlang ihrer Wirbelsäule ausbreitete: die Lehrerin, die bis zuletzt so eifrig gesungen hatte.
Erst jetzt schien sie mitbekommen zu haben, dass etwas nicht stimmte und wandte sich um.
Richards benebelter Verstand begann stockend zu erfassen, an welchem Ort er sich befand. Die Sommerferien waren vorbei. Dies war eine Einschulungsfeier für Erstklässler. Mit Eltern, Oma und Opa und den älteren Schülern, die soeben ihr eingeübtes Willkommensständchen abgebrochen hatten.
Eine düstere Wolkenbank schob sich vor die Sonne und nahm allen Farben die Intensität. Von Osten her drang Donnergrollen.
Richard hatte keine Ahnung, wie er hierher gekommen war. Einige der Erwachsenen schienen ihm vertraut. Er entdeckte einen Fotografen der Lokalpresse, der ihn mit der Kamera ins Visier nahm. Plötzlich begann sich die ganze Szenerie wie ein Karussell langsam zu drehen. Richard versuchte mit den Augen einen festen Punkt – einen metallenen Müllkorb – zu fixieren.
„Ich muss krank sein“, krächzte er entschuldigend mit einer Stimme, die wie ein rostiges Scharnier klang. Endlich gelang es ihm schwankend aufzustehen.
„Und ob, du Schwein!“, bellte eine Stimme von links und ehe er sich zur Seite wenden konnte, traf ihn ein Tritt in den Unterleib. Richard knickte ein wie ein Klappmesser, seine vom jahrelangen Sitzen am Schreibtisch mürbe gewordenen Kniegelenke gaben dabei ein Geräusch wie trockenes Holz, das zerbricht, von sich. Mit beiden Händen umfasste er seine Genitalien, die sich in glutflüssiges Blei verwandelt hatten. Und erst jetzt, als der Schmerz den Nebel in seinem Kopf abrupt gelichtet hatte und er an sich heruntersah, um zu prüfen, wie viel Schaden er dort unten davongetragen hatte, stellte Richard fest, dass er nackt war.
Bis auf einen winzigen schwarzen Lederslip mit einer kreisrunden Öffnung, aus der sein schlaffes Glied baumelte. Wie etwas, das nicht zu ihm gehörte.
Der Donner grollte jetzt lauter. Und viel näher.
Richards Verstand nahm sich eine Auszeit, unfähig zu verstehen, was hier geschah.
Der untersetzte Kerl, der ihn getreten hatte, stand mit geballten Fäusten und bebenden Lippen vor ihm. Ein Regentropfen klatschte auf seinen Schädel. Der Mann fuhr sich beiläufig mit der Hand durch das schüttere Haar, ohne Richard aus den Augen zu lassen. Der Fotograf war jetzt bis auf ein paar Meter herangekommen und hob erneut seine Kamera für ein paar Nahaufnahmen.
„Ni… ni…, nicht“, stotterte Richard. Da ließ ein neuerlicher Donnerschlag den Tag erbeben. Fette Tropfen klatschten vereinzelt auf den Asphalt des Schulhofs.
„Ich rufe die Polizei“, schrillte eine Frauenstimme. Die Chorleiterin in dem verschwitzten Kleid musterte ihn aus sicherer Entfernung mit einem Blick, als sei Richard ein Mensch gewordenes Ekzem. In ihrer rechten Hand hielt sie ein Handy.
Richard fragte sich, ob das alles nur ein Albtraum sei, als er lautes Fauchen vernahm. Als würde heißer Dampf aus einem Kessel entweichen. Plötzlich war er von grellem, purpurweißem Licht umgeben. Als würde er direkt in das Innenleben eines Halogenstrahlers starren.
Dann sah, hörte und fühlte er gar nichts mehr.

“Der Körper eines Menschen enthält sechs Liter Blut. Das ist ausreichend Rot, um damit mein Lieblingszimmer anzustreichen.” (Der Reisende)
                    
Spätherbst

Richard Gerling spähte aus dem Fenster. Auf der Straße, ein Stockwerk unter ihm, schob ein Mädchen ihr Fahrrad über das nass glänzende Kopfsteinpflaster. Es sah dabei aus, als hätte es den schönsten Tagtraum ihres bisher vielleicht fünfzehnjährigen Lebens. Richard fragte sich, wie viele Gründe es in seinen über vierzig Jahren gegeben hatte, um auch nur annähernd so versonnen durch seine ehemalige Heimatstadt Unna zu spazieren.
Erste Liebe … die ersten Monate seiner Ehe …
Das Letztere verneinte er. Eigentlich hatte er schon sehr schnell gespürt, dass er und Susanne niemals ein ganzes Leben gemeinsam verbringen würden. Nach ein paar Monaten konnte er nicht einmal mehr  ihre Stimme ertragen. Es hatte ihm auch nicht das Geringste ausgemacht, dass Sex über Nacht bedeutungslos wurde. Zumindest mit seiner Frau. Nach der Scheidung hatte es ein paar Affären gegeben. Dabei war nichts von der Art gewesen, für das man in Lederslips und Hundehalsbänder schlüpfte und sich obendrein dermaßen abschoss, dass der Verstand vorübergehend zu einem weich gekochten Ei degenerierte.
Richard presste die Faust gegen die Stirn. Hinter seinen Schläfen pochte der Schmerz. So plötzlich und brutal, dass sich sein Blick verschleierte. Fast blind tastete er nach dem Sessel neben dem Fenster und ließ sich in die Polster sinken.
Es gab einen wirklich guten Moment in seinem Leben, erinnerte er sich, während er nach den Schmerztabletten griff: Als er vor fünfzehn Jahren das erste Exemplar seines Debütromans in Händen hielt, ihn aufklappte und am Papier und dem frischen Leim schnupperte, der die von ihm gefüllten Seiten zusammenhielt.
Richard steckte sich zwei Ibuprofen in den Mund, zerbiss sie und schaffte es die mehligen Krümel trocken herunterzuwürgen.
Das letzte Vierteljahr in Unna war Richard vorgekommen, als hätte man ihn halb wahnsinnig durch ein Labyrinth gezerrt, in dem hinter jeder Ecke eine feixende Fratze hervorlugte oder Gestalten mehr oder weniger verstohlen mit dem Finger auf ihn deuteten. Als er im Supermarkt von ein paar jungen Burschen rüde angerempelt wurde, ließ er sich die Lebensmittel nur noch ins Haus liefern. Aber das war kein Ausweg.
Er war berühmter als jemals zuvor. Allerdings nicht durch seine schriftstellerische Leistung, sondern durch das, was ihm widerfahren war. Etwas, das über seinen Auftritt in SM-Montur inklusive Erbrechen auf dem Schulhof einer Grundschule hinausging und die Angelegenheit für Boulevard-Blätter und die Skandal-Magazine bei den privaten Fernsehsendern zumindest für eine Weile interessant werden ließ.
Und Richard den Aufenthalt in seiner Heimat unmöglich machte.
Zum zwanzigsten Mal an diesem Vormittag fragte er sich: Was war damals geschehen? Wie war er in diese Situation geraten? Und vor allem: Wer hatte sich das Ganze ausgedacht?
Richard hatte die letzten Stunden vor seinem Blackout mühsam recherchieren müssen. Es kam ihm vor, als wären Teile seines Erinnerungsvermögens einfach gelöscht worden.
Er beugte sich vor, um einen letzten Blick auf das Mädchen mit dem Fahrrad zu werfen, dann betrachtete er das kreisrunde, blasse Mal auf seinem rechten Handrücken. Es schmerzte nie, ganz im Gegensatz zu seinem Schädel.
Darin war irgendetwas kaputt gegangen.
An dem Abend, bevor er sich auf dem Schulhof wiederfand, war er auf der alljährlichen Sommerparty seines Verlegers Klaus Sänger gewesen. Sänger feierte grundsätzlich am letzten Tag der großen Ferien.
Normalerweise mied Richard solche Veranstaltungen, aber dieses Mal hatte sein Verleger darauf bestanden und Richard wollte ihn nicht vor den Kopf stoßen.
Auf der Party war es hoch hergegangen. Gut hundert Gäste wippten zur Live-Musik einer Jazzband und schütteten Longdrinks vom eigens engagierten Barmixer in sich hinein.
Richard vertrug nur wenig Alkohol und so war er sich ziemlich sicher, dass er es bei ein paar Gläsern Bier belassen hatte.
Natürlich waren auch Kollegen von Richard unter den Gästen gewesen. Vielleicht hatte sich einer von ihnen einen Scherz mit ihm machen wollen. Einen überaus drastischen Scherz mit K.-o.-Tropfen und SM-Montur.
Aber niemand wollte etwas bemerkt haben. Sein Verleger hatte vermutet, dass sich Richard einfach irgendwann klammheimlich davongeschlichen hatte.
Richard Gerling setzte sich wieder an den Schreibtisch. Er hatte ihn direkt unter das Fenster im Schlafzimmer gestellt, in der Hoffnung, inspiriert vom neuen Ausblick und in der Gewissheit in Sicherheit zu sein, wieder zu seinem alten Arbeitspensum zurückzufinden. Er hatte es immer geliebt, den Computer in der Nähe des Bettes aufzustellen. Früher war er immer wieder in der Nacht aufgewacht, den Kopf voller Ideen, die sofort in die Tastatur gehämmert werden mussten, ehe sie sich wieder verflüchtigten.
Heute war alles anders …

Zwienacht
Raimon Weber

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